"Entkopplung" - Selbsthilfetechnik für Trichotillomanie und Nägelkauen (Deutsch)

Trichotillomanie

Trichotillomanie (zwanghaftes Ausreißen von Kopf- oder Körperhaaren) wird gemeinsam mit dem Nägelkauen (das Beißen oder Reißen an den Fingernägeln oder der Nagelhaut) zu den Impulskontrollstörungen gerechnet. Die gesundheitlichen Konsequenzen beim Nägelkauen sind im engeren Sinne zwar gering – von einer gelegentlichen Entzündung des Nagelbetts abgesehen; die psychologischen Konsequenzen können jedoch jedoch gravierend sein. So sind abgekaute Nägel weithin sichtbar und rufen bei anderen Personen oft Ekel hervor. In der Allgemeinbevölkerung wird Nägelkauen häufig gleichgesetzt mit einem nervösen Charakter und Willensschwäche. Zudem sehen abgekaute Nägel unhygienisch aus: Viele Betroffene genieren sich, anderen Personen die Hand zu geben und andersherum. Dies kann wiederum zu geringerem Selbstwertgefühl und sozialer Verunsicherung führen.  Die Fingernägel werden teilweise in die Handballen vergraben, was die Störung nur noch auffälliger macht. Während volles und schönes Haar mit Gesundheit, Kraft und auch mit Sinnlichkeit und Sexualität assoziiert wird, werden kahle Stellen oder fehlende Wimpern und Augenbrauen, wie sie für die Trichotillomanie typisch sind, von vielen Menschen mit einer schweren körperlichen Erkrankung verwechselt. Menschen mit Trichotillomanie schämen sich ihres Verhaltens und der einhergehenden Erscheinungen meist sehr. Sie verdecken die kahlen Stellen mit Mützen, Tüchern oder Haarteilen. In einigen Fällen ziehen sich Betroffene ganz aus dem sozialen Umfeld zurück, was die Lebensqualität weiter einschränkt.

Nach kostenloser Registrierung (keine Namensnennung erforderlich) unter https://ww3.unipark.de/uc/decoupling_entkopplung erhalten Sie ein Manual, das eine neue Methode, die Entkopplung, beschreibt, mit der übermäßiges Nagelkauen und/oder Haarziehen reduziert werden kann (E-Mail mit pdf-Anhang).

Spende
Diese und andere Selbsthilfe-Techniken unserer Arbeitsgruppe stellen wir Menschen mit psychischen Problemen kostenlos zur Verfügung. Sollten Sie von der Anwendung profitieren und/oder uns bei der Weiterentwicklung dieser oder anderer Selbsthilfe-Techniken unterstützen wollen, würden wir uns über Ihre Spende freuen. Sie können über diesen Link online spenden und erhalten innerhalb weniger Tage eine offizielle Bestätigung.

Studienergebnisse

Im Rahmen einer kontrollierten Studie mit 42 Teilnehmern, die an Trichotillomanie litten, konnte gezeigt werden, dass fast 40% der Betroffenen eine Besserung der Symptomatik aufgrund der Anwendung unserer Methode berichteten (50% wenn nur jene Teilnehmer in die Analyse einbezogen wurden, die das Manual nicht nur lasen sondern die Übungen auch durchführten).

Im Verlauf verbesserte sich die Zielsymptomatik, gemessen mit der Massachusetts General Hospital Hairpulling Scale, signifikant (d.h. überzufällig stark) im Vergleich zur Kontrollbedingung (progressive Muskelentspannung). Die Ergebnisse sowie Einschränkungen der Studie können im folgenden Dokument nachgelesen werden und sind in der Fachzeitschrift Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry erschienen (Moritz & Rufer, 2010).

Zu den Studienergebnissen - Trichotillomanie und Nägelkauen