Assoziationsspaltung — Behandlung zur Reduktion von Zwangsgedanken

Kostenloses Behandlungskonzept „Assoziationsspaltung“ (Selbsthilfe): https://ww3.unipark.de/uc/intrusions/

Unsere Arbeitsgruppe hat eine neue Behandlungstechnik zur Verringerung der Intensität und Auftretenshäufigkeit von Zwangsgedanken entwickelt (Assoziationsspaltung). Die Methode richtet sich speziell an Personen, die an Zwangsgedanken leiden (z.B. exzessive Sorge, andere anzustecken; Unsicherheit darüber, jemanden versehentlich überfahren zu haben; Angst, eine Katastrophe zu verursachen). Die Methode zielt darauf ab, einseitige negative gedankliche Verknüpfungen (Assoziationen), wie sie typisch für Zwang sind, zu reduzieren, indem alternative kognitive Verbindungen geschaffen werden (Jelinek et al., 2009, 2014).

In einer Pilotstudie mit insgesamt 30 Teilnehmenden mit Zwangserkrankungen zeigte sich eine mittlere Abnahme der Zwangssymptomatik von 26 %, die Stärke der Zwangsgedanken verminderte sich um 25 % (Moritz et al., 2007). Nach Ablauf von drei Wochen, in denen die Technik ausprobiert werden sollte, wiesen 33–42 % der Teilnehmenden einen Rückgang ihrer Symptome von mindestens 35 % auf. Weitere eigene sowie unabhängige Studien haben diese Ergebnisse bestätigt (Moritz & Jelinek, 2011, Rodríguez-Martín et al., 2013), teilweise auch in Bezug auf andere Störungsbilder (Musiat et al., 2014). Die Assoziationsspaltung stellt somit eine Erfolg versprechende Behandlungsstrategie für einen Teil der Betroffenen dar.

Die Technik ist für folgende Personen aus unserer Sicht nicht geeignet:

  • Menschen, die ausschließlich Zwangshandlungen ausführen, also keine Zwangsgedanken haben (z.B. exzessives Waschen ohne Sorge vor Verkeimung oder Ekel).
  • Menschen, die nicht erkennen, dass ihre Gedanken übertrieben sind. Betroffene, die von der Notwendigkeit und der Zweckmäßigkeit ihrer Gedanken und Handlungen überzeugt sind, werden von unserer Methode aller Voraussicht nach nicht profitieren.

Sollte die Technik bei Ihnen nicht wirken, verzagen Sie bitte nicht. Es gibt eine Vielzahl von erprobten Therapiemöglichkeiten bei Zwang. Patienten mit einer Zwangsstörung können sich u.a. im Internet unter www.zwaenge.de (Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen) über Hilfsangebote und mögliche Behandlungen informieren. Das Manual können Sie unter https://ww3.unipark.de/uc/intrusions/ beziehen.

Leitfaden

Wir sind auf Ihre Erfahrungen und Anregungen angewiesen, um die Technik selbst sowie die Verständlichkeit des Manuals weiter zu verbessern. Bitte nehmen Sie sich die Zeit für eine Rückmeldung an: Steffen Moritz (moritz@uke.de).

Publikationen

Jelinek, L., Hauschildt, M., Hottenrott, B., Kellner, M. & Moritz, S. (2014). Further evidence for biased semantic networks in obsessive-compulsive disorder (OCD): when knives are no longer associated with buttering bread but only with stabbing people. Journal of Behavior Therapy & Experimental Psychiatry, 45, 427–434.

Jelinek, L., Hottenrott, B. & Moritz, S. (2009). When cancer is associated with illness but no longer with animal or zodiac sign: investigation of biased semantic networks in obsessive-compulsive disorder (OCD). Journal of Anxiety Disorders, 23, 1031–1036.

Moritz, S. & Jelinek, L. (2011). Association splitting as a self-help technique for reducing obsessive thoughts. Depression and Anxiety, 28, 574–581.

Moritz, S., Jelinek, L., Klinge, R. & Naber, D. (2007). Fight fire with fireflies! Association splitting: a novel cognitive technique to reduce obsessive thoughts. Behavioural and Cognitive Psychotherapy, 35, 631–635.

Musiat, P., Moritz, S, Jacobi, C. & Schmidt, U. (2014). Association splitting: feasibility study of a novel technique to reduce weight and shape concerns. Eating and Weight Disorders, 19, 153–158.

Rodríguez-Martín, B. C., Moritz, S., Molerio-Pérez, O. & Gil-Pérez, P. (2013). Effectiveness of association splitting in reducing unwanted intrusive thoughts in a nonclinical sample. Behavioural and Cognitive Psychotherapy, 4, 433–440.


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