Projekt zur Expositionstherapie in Mixed Reality (MR) für Zwangsstörungen

Unsere Arbeitsgruppe startete im März 2020 gemeinsam mit dem Hamburger Start-Up-Unternehmen PatientZero Games GmbH ein Projekt zur Entwicklung und Evaluation einer Expositionstherapie in Mixed Reality (MR) zur Behandlung von Zwangsstörungen.

Das Projekt wird aus Mitteln der Freien und Hansestadt Hamburg sowie von der Hamburgischen Investitions- und Förderbank im Rahmen des PROFI Tansfer Plus Programms aus EU-Mitteln – dem Europäischen Fond für Regionale Entwicklung (EFRE) – gefördert.

Das übergeordnete Ziel des Projektes ist, die bestehende Behandlungslücke für ZwangspatientInnen zu verringern. Im Rahmen einer randomisiert kontrollierten Studie wird die Machbarkeit, Akzeptanz und Wirksamkeit einer Expositionstherapie in Mixed Reality (MR) untersucht. Innerhalb der neuen Behandlungsmethode sollen PatientInnen lernen – äquivalent zur Exposition in der Realität – die Angst/Anspannung in der gefürchteten Situation auszuhalten, ohne Zwangshandlungen (zur Neutralisierung der Angst) durchzuführen. Die gefürchteten Stimuli werden hierbei als virtuelle Objekte in die reale Umgebung implementiert und können vom Therapeuten individuell an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden. Expositionstherapien in Realität gehören zu den effektivsten Therapiemethoden bei Zwangsstörungen (u.a. Evidenzgrad A DGPPN Leitlinie Zwang) und zeigten in vergangenen Studien starke Verbesserungen der Zwangssymptomatik (Hedges’s g = 1.31; siehe Metaanalyse von Öst, Havnen, Hansen, & Kvale, 2015). Wir erwarten, die Effekte der Expositionstherapie durch eine hohe Individualisierbarkeit sowie Kontrollierbarkeit über die Anwendung von Mixed Reality noch steigern zu können.

Im Rahmen des Projektes wird eine neuartige und technisch anspruchsvolle Software entwickelt, die TherapeutInnen die Durchführung einer Expositionstherapie im eigenen Büro ermöglicht und somit die tatsächliche Anwendung der Goldstandard-Therapie für Zwangsstörungen sowohl an die Bedürfnisse der TherapeutInnen als auch an die der PatientInnen spezifischer anpasst. Diese neuartige Therapieform bietet darüber hinaus mehr therapeutische Möglichkeiten (z.B. durch technische Überwachung des Angstlevels während der Exposition und entsprechende Anpassung der virtuellen Elemente) als die Exposition in Realität.

Projektleiter: Fabian Jäger (PatientZero Games), M.Sc. psych. Franziska Miegel und Dr. Lara Bücker (AG Klinische Neuropsychologie)

Weitere Beteiligte:

  • Prof. Dr. Lena Jelinek (AG Klinische Neuropsychologie)
  • Prof. Dr. Simone Kühn (AG Neuronale Plastizität)
  • Prof. Dr. Steffen Moritz (AG Klinische Neuropsychologie)
  • Fariba Mostajera (Informatikum, Universität Hamburg)

Literaturverzeichnis

Öst, L.-G., Havnen, A., Hansen, B., & Kvale, G. (2015). Cognitive behavioral treatments of obsessive–compulsive disorder. A systematic review and meta-analysis of studies published 1993–2014. Clinical Psychology Review, 40, 156–169. https://doi.org/10.1016/J.CPR.2015.06.003