Seit der Erstbeschreibung der "dementia praecox" durch Kraepelin wird kontrovers diskutiert, ob dieses – später von Bleuler (1911) in Schizophrenie "umgetaufte" - Krankheitsbild mit einem progredienten Abbau der neurokognitiven Funktionen einhergeht oder nicht. Methodisch wird diese Frage zumeist über Längsschnittstudien oder auch über einen Vergleich von Ersterkrankten und chronisch erkrankten Patienten mit Schizophrenie untersucht. Beide Vorgehensweisen haben eine Reihe von Vor- und Nachteilen (siehe Moritz et al., 2002) und sollten daher als komplementäre Strategien betrachtet werden. Als problematisch sind bei Längsschnittstudien insbesondere kurze Test-retestintervalle und Übungseffekte zu nennen. Querschnittsvergleiche sind dagegen anfällig für soziodemographische Unterschiede in den Vergleichsgruppen (v.a. Altersunterschiede) und können intraindividuelle Abbauphänomene lediglich indirekt schätzen. 

Analog zu neueren Längsschnittstudien sprechen Studien unserer Arbeitsgruppe dafür, dass erstmals und chronisch erkrankte Patienten vergleichbare kognitive Defizite aufweisen (Moritz et al., 2001, 2002). Die Ergebnisse favorisieren die Neuroentwicklungshypothese der Schizophrenie (im Unterschied zur Neurodegenerationshypothese). Darüber hinaus zeigen unsere Studien (Moritz et al., 2017), dass der Schweregrad neurokognitiver Defizite bei Schizophrenie möglicherweise überschätzt wird, da wichtige Kontextfaktoren, wie geringe Motivation, Testangst und Ablenkung durch Symptome während der Testung (z.B. Stimmenhören), welche die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können, in vielen Untersuchungen nicht vollständig berücksichtigt werden.

Hauptbeteiligte

  • Prof. Dr. Steffen Moritz
  • Prof. Dr. Martin Lambert

Publikationen

Moritz, S., Klein, J. P., Desler, T., Lill, H., Gallinat, J. & Schneider, B. C. (2017). Neurocognitive deficits in schizophrenia. Are we making mountains out of molehills? Psychological Medicine, 47, 2602-2612.

Moritz, S., Andresen, B., Schickel, M., Naber, D. & Krausz, M. (2002). Neurocognitive deficits in first-episode and chronic schizophrenia. European Archives of Psychiatry & Clinical Neuroscience, 252, 33-37.

Moritz, S., Lambert, M., Andresen, B., Böthern, A., Naber, D. & Krausz, M. (2001). Subjective cognitive dysfunction in first-episode and chronic schizophrenic patients. Comprehensive Psychiatry, 42, 213-216.